48 Stunden Alleinerziehend

Dienstag nach Ostern 15 Uhr:

Wir kommen Zuhause an. Nach 3 Wochen Mutter Kind Kur und heute 350km. Meine Eltern (Opa und Oma genannt) sind wie versprochen da (ich gebe zu es war fast Erpressung) und haben „dem Osterhasen die Tür aufgemacht“, so dass meine Tochter gleich suchen kann.

Ich räume hastig den Daimler aus. Hatte das Auto mit meinem Freund getauscht, damit ich ein Kinderrad mit in Kur nehmen kann (Kind sollte mit 5Jahren endlich mal richtig Rad fahren lernen, hat auch geklappt) währenddessen mein Kleinstwagen repariert (Bremsen, Stossdämpfer, Thermofühler und TÜV) werden sollte. Hat nicht geklappt, Mechaniker und Freund haben mich da hängen lassen. Habe ich gestern erfahren.

16 Uhr: Ich habe die erste Ladung Wäsche gestartet und fahre die 20km zu meinem Freund um die Autos auszutauschen, da der uralte Daimler Sprit verliert, er muss wohl in die Palliativreparatur. Tanke Autogas, tausche Autos und Kindersitze (Feund ist auf Arbeit), fahre mit meinem kleinen blauen Auto zu Lidl damit was zum Essen im Haus ist für die nächsten Tage.

17:30 Uhr: Zurück wird Ausgeladen (die Sommerreifen sind auch noch im Kofferraum und nicht aufgezogen, mal gut es schneit), ich backe ein Brot, richte Pflanztöpfe und säe Zucchini, Kürbis, Salat und Kohl aus (sonst wirds zu spät und der Garten muss ja auch irgendwie), räume die ersten Sachen von der Kur aus, nächste Ladung Wäsche, erste in den Trockner…

18:30 Uhr Da Gottseidank Opa und Oma da sind, gibt es etwas gutes zu Essen das Opa gekocht hat: Bratwürste (meine Mitbringsel vom Kurort), Sauerkraut und Kartoffelpü. Dann gehen Oma und Opa und ich räume noch etwas und versuche dann die aufgedrehte Kleine ins Bett zu kriegen. Geht leidlich, aber ich kann einiges auf der Kur erlerntes umsetzen und bleibe konsequenter als in unerholtem Zustand.

20:30 Uhr Kind schläft. Ich bin auch platt, richte aber noch mein Essen für den nächsten Tag, das Vespertäschle für das Kind, koche Suppe für Mittwoch Abend vor, kann schon den Geschirrspüler für den nächsten Tag programmieren, lade die zwei Holzöfen nochmal ordentlich und diverses mehr.

21:30 Uhr. Ich ziehe meine Rumpforthese an und lege mich ins Bett. Handy und die neuen Wecker nach langem Überlegen doch erst auf 6 Uhr gestellt. Diese Woche noch nicht ganz so früh…..

0:30 Uhr Oh Wunder, das Kind hat eine der Nächte wo es im eigenen Bett bleibt und keine Sonderwünsche hat (Kirschkernkissen warm machen, Zudecken, Geister vertreiben….) aber ich wache auf weil das Korsett mir immernoch starke Schmerzen macht. Also weg damit. Es braucht eine Stunde etwa bis ich trotz der Schmerzen einschlafen kann.

 

Mittwoch 6:00 Uhr: Halleluja, das Kind hat durchgeschlafen und ich kann ungestört aufstehen. Die Kaffeemaschine hatte ich am Vortag programmiert.

So fangen die besseren Tage an. Jetzt aber schnell die Öfen einfeuern und wenigstens ein paar Schroth-Übungen für meinen Rücken. Dran bleiben!!!!

6:30 Uhr: Der neue Wecker vom Kind klingelt. Sie reagiert gut und fröhlich und jault nicht rum.

So fangen die guten Tage an. Jetzt schnell ein Brot toasten und schmieren. Oh, man möchte heute warmen Kaba. Na bei so nem lieben Kind.

Ungewohnt gut läuft es heute auch mit dem Anziehen. Nur ins Bad will sie wie immer nicht alleine gehen und ich renne schon wieder rum wie ein Huhn um alles rechtzeitig fertig zu haben. Muss heute ja kurz mit rein in die Kita zum „zurückmelden“

Mist, die Mülleimer müssen noch an die Strasse…

7:35 Uhr. Fast pünktlich an der Kita. Nehme noch Osterkörbchen in Empfang und muss ein Klammerkind abschütteln. Jetzt aber los. Ich nehme die Strecke durch den Wald. Bei dem schlechten Wetter mit Schneefall fährt da sonst bestimmt keiner die steile einspurige Schotterstrecke.

Der Mann im entgegenkommenden VW-Transporter kuckt genauso überrascht wie ich.

Ferienzeit, geil, so schnell bin ich selten auf Arbeit. So gut wie kein Stau vor der Universitätsstadt. Nur 45 min Fahrzeit und ich parke im Parkhaus. Im Stechschritt ins Institut. Pünktlich sein ist ein Grund, die Blase der zweite.

8:45 Uhr. Ich erreiche mein Büro. Die Afrikaner sind schon da, sonst ist es ruhig. Smalltalk. Oh, Chef nicht da, keine Nachricht auf dem Tisch. Es wird wohl einer der ruhigen bis langweiligen Tage an denen ich eigentlich nichts zu tun habe, was sich dann rächt, wenn der Chef mir unmengen Arbeit aufträgt die in der Zeit nicht zu schaffen ist (und die ich jetzt gut machen könnte wenn ich nur davon wüsste).

Dafür schaffe ich es heute mal einen Kaffee zu machen.

So fangen die richtig guten Tage an.

Ich tüttel mich durch Verwaltungszeug und Liegengebliebenes und nutze die Mittagspause um nach einem Auto zu kucken (Daimler vertraue ich nicht mehr, kleines blaues Auto muss repariert werden und kann weder Wohnwagen noch Holzanhänger ziehen). Finde tatsächlich ein Auto das einen guten Kompromiss zwischen meinen Möglichkeiten und den Notwendigkeiten darstellt. Kostenrechnung positiv, wenn ich einberechne dass ich ab nächstem Jahr Arbeitszeit aufstocke.

||: Ich schaffe das :||

16:30 Uhr. Eigentlich Feierabend, aber ich hab ein Gerät in unschönem Zustand vorgefunden und musste etwas extra Service machen.

16:55 Uhr. Im Stechschritt zum Parkhaus. Hoffentlich so wenig Verkehr wie heute morgen, sonst schaffe ich es nicht pünktlich zur Tagesmutter.

Stau wo sonst keiner ist. Endlich auf der Autobahn hole ich aus den 58 Pferdchen meines Kleinstwagen alles raus was geht. Wieder durch den Wald, diesmal ungestört.

18:10 Uhr: Mit 10 Minuten Verspätung bei der Tagesmutter angekommen. Kind sitzt mit anderen auf dem Sofa. Kommt nicht angeflitzt, beginnt nach 1 Minute zu weinen.

So beginnen die nicht so schönen Abende.

Ich fordere sie auf zu kommen und frage was los ist, auch wenn ich es eigentlich weiss (zu viel Umstellung, zu viele Kinder, zu langer Tag….), nehme sie in den Arm aber bleibe auch bestimmt. Es ist nicht schön für sie, aber wenn sie sich weiter reinsteigert und alles an mir raus lässt ist es noch weniger schön für uns beide.

18:20 Uhr EDEKA, wir brauchen noch Schmand für die Suppe. Stimmung kritisch. Ein Eis hilft.

18:35 Uhr Heimkommen, dem Kind klar machen, dass man ihm nicht die Schuhe ausziehen wird. Öfen einfeuern, Tisch decken, Geschirrspüler ausräumen (Das Besteck macht das Kind…nach nicht unerheblichen verzögerungstaktiken. Konsequent bleiben!), aaah Suppe!

19:00 Uhr fertig gegessen. Kind besteht auf das gestern leichtfertig versprochene Bad. Leider zu wenig Sonne und zu kalt. Es ist nicht genug warmes Wasser da für die Badewanne. Versprechen muss man halten: ich überrede sie zu einem Bad in der Duschwanne mit Vorleseviertelstunde.

20:00 Bad erledigt. Nun noch Zähne putzen, Schlafanzug an, Geduldsreserven zusammenkratzen.

20:20 Uhr Mit nur 20 Minuten verspätung kann ich die Tür zum Kinderzimmer schliessen. Konsequent jetzt ohne Babyfon. Trotzdem einige Mama-Rufe. Kind will nochmal wissen wie der morgige Tag verlaufen wird, wann Papa Tag ist, wann wir den Geburtstag meines Freundes feiern ect. Es geht auch ihr viel im Kopf rum

21:00 Uhr Ich habe noch die fertige Wäsche hoch geholt und zusammengelegt. Ins Kinderzimmer kann ich jetzt nicht rein…Wohnzimmertisch ist belagert mit Wäsche. Ich schaue nochmal wegen Auto, grüble, rechne, entwickle Plan für nächsten Tag.

21:30 Uhr. Ich überwinde mich und ziehe das Korsett an. Temperatur im Schlafzimmer wieder unter 15 Grad. Zu lange Abwesenheit, zu wenig Sonne, da packt es die frisch teilreparierte Heizung halt doch nicht. Eine Wärmflasche begleitet mich.

2:00 Uhr Super, 4 Stunden durchgehalten bevor mich die Schmerzen wieder geweckt haben. Und das Kind schläft noch. Ich update mein IOS, bin ja eh ne Stunde wach…..

Donnerstag 6:00 Uhr: der dritte Wecker schafft es, dass ich aufstehe. Ofen in Küche an (hoffe auf Sonne am Tag, damit die das Wohnzimmer heizt) Kaffee (diesmal der vom Vortag in der Mikro erwärmt), Gymnastik, wenigstens 10 Minuten….menno, die Zeit rast… Plötzlich geht im Kinderzimmer die Tochtersirene an.

So beginnen die weniger guten Tage.

Ich reisse mich am Riemen, gehe nicht hin. Sie ist 5 und kann aufstehen. Nach 10 Minuten Trotzgeheult kommt sie angewackelt, ich begrüsse freundlich, nehme in Arm, mache dann aber weiter das Frühstück für sie. Gottseidank sie beruhigt sich.

Anziehen klappt heute nicht so gut. Wäsche nicht vergessen zu programmieren! Trockner beladen! Sonnenstrom nutzen!

Frühstücksgeschirr bleibt stehen.

7:35 Uhr. Wider erwarten fast pünktlich in Kita. Los! Tausend Dinge im Kopf….ich verpasse die Abfahrt zur Waldstrecke, muss über die Baustellenampel. Läuft aber gut.

8:40 Uhr Ankunft Parkhaus. Es leben die Ferien! Man gut es ist grad so ruhig auf Arbeit…ich muss unbedingt wegen dem Auto anrufen…

10:30 Uhr. Email im Posteingang: Vater von Tochter wettert beim Jugendamt dass ich mich weigere einen Tag Urlaub zu nehmen für ein von ihm beantragtes Gespräch.

Zur Erklärung: Ich arbeite 60% an 3 Tagen unflexibel, er arbeitet 100% mit Homeoffice, Gleitzeit…, nur leider kann er just an meinen freien Tagen uuuunmöglich Termine wahr nehmen und gefälligst soll ich also mindestens jedes zweite Mal Urlaub nehmen. Da ich jede Kita-Schliessung und jeden Urlaubstag zu dem er keine Lust hat schon abdecken muss habe ich schon zu viele Urlaubstage für sowas verballert. Dazu fehle ich als einzige bei Krankheit des Kindes bei der Arbeit und mein Arbeitgeber hat wenig Verständnis wenn ich bei einer 3 Tage Woche meine Termine nicht auf meine „freien“ Tage lege.

Nun opfert er sich für einen Termin am Montag (mein freier Tag) früh morgens. Worum es geht weiss ich immernoch nicht. Er versucht immer zu stänkern, den Wochenendrhythmus zu wechseln (weil er weiss, dass es bei mir wegen Schichtdienst von Freund und seinen Umgangswochenenden (bzw denen seiner Frau, die Kinder sind ja bei ihm) nicht anders geht. Schliesslich müssen wir am Kinderfreien Wochenende das am Haus bauen was der Kindsvater einfach nicht fertig gemacht hat aber gemacht werden muss (Was wir zu zweit nicht geschafft haben weil es ihm zu viel war und er sich überschätzt hat, das mach ich mit meinem tollen Teilzeit-Einkommen als gelangweilte Alleinerziehende ja locker mal nebenher). tschuldigung muss auch mal …

Ich nehme also an. Vereinbare den Termin zum Autokauf für den Nachmittag. Muss das so weit weg sein? 1,5 Stunden einfache Fahrt über die schöne Alb.

Mist, das wird zu knapp um das Kind zu holen und ihr Judo ist ja auch noch am Montag.

Ich habe Glück, der Opa lässt sich breitschlagen und geht mit Kind zum Judo. Aber die Zulassungsstelle hat dann zu. Niemand den ich schicken könnte und der Händler will mir die rote Nummer nicht bis Freitag (meinem nächsten „freien“ Tag lassen).

13:00 Uhr. Schlachtplan entwickelt, Melde Dienstag früh gleich um, arbeite dafür Donnerstag länger, Freund holt dann Kind von Tagesmutter. Was ein Glück dass der Chef nicht da ist (kann ich unbesorgt ausnutzen, es wird wieder heftig genug wenn er zurück ist und mich mit Arbeit überhäuft)

13:15 Uhr Oh, ich sollte mal was Essen. Mampfe Salat vor dem Laptop und drucke vorsichtshalber doch Vollmachten für Zulassungsstelle aus. Melde uns auch noch gleich für den Flohmarkt an, Kind will das unbedingt. Noch die Überweisung für die Heizungsarbeiten…

Wieder ein paar Haken auf der to do liste.

14:20 Uhr Kollegin fragt ob ich auch auf den March of Science gehe am Sonntag. Es ist wichtig! Aber ich werde es nicht schaffen. Ich fühle mich schlecht dabei, weiss kaum wie ich es ihr erklären soll, aber es ist Umgangswochenende. Ich muss arbeiten. Rasen mähen, Wohnung putzen, Kehrwoche… Es liegen immernoch Sachen von der Kur rum. Der Garten muss umgegraben werden, ein Kompost aufgestellt, platten verlegt, das Dach vom Wohnwagen demontiert, damit ich mit dem neuen Auto und Wohnwagen zum TÜV kann und ihn dann umparken, eigentlich wollte ich Montag Brennholz sägen, das fällt ja weg, aber wenigstens umstapeln und alles vorbereiten kann ich am Sonntag, diesem blöden Tag wo man ein bisschen Zeit hat aber keinen Lärm machen darf und so tun muss als erhole man sich.

Ich MUSS Prioritäten setzen und ich friere nicht gerne. Also werde ich mein politisches engagement wieder mal hinten anstellen, weil ich einfach keine Kapazitäten frei habe.

15:00 Uhr die Sonne scheint. Ich freue mich auf eine hoffentlich warme Wohnung. Ich freue mich dass ich heute pünktlich heim kann und auf dem Heimweg dank Ferien noch die Gartenkralle bei meinen Eltern abholen kann ohne zu spät zu kommen (hoffentlich!). Und ich freue mich dass ich es mir leiste morgen den Geburtstag mit meinem Freund und den Kindern zu feiern. Im Freizeitbad in der Nähe vom Wohnort des Vaters, weil der drauf besteht, dass das Kind zum Umgang bis 18 Uhr zu ihm gebracht wird (ca 100km) oder er es alternativ aus der Kita holt (es also nicht mitfeiern dürfte).

Wie? Erst 48 Stunden rum seit ich aus der Kur kam? Der Wahnsinn ist schon wieder voll da. Gottseidank aber noch Energie da von der Kur. Muss ja vier Jahre halten. *prust*

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