Vereinbarkeit

 

Text zum Aufruf zur Blogparade von Heuteistmusik.de

 

Es geht um den Wiedereinstieg nach Elternzeit und um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

 

Vorweg: Mein Arbeitgeber (der mit dem ich den Vertrag habe) ist als familienfreundliches Unternehmen zertifiziert, nimmt am Audit „berufundfamilie“ teil und wurde bereits zwei Mal ausgezeichnet. Die Einstellung meines Institutsleiters scheint davon etwas abzuweichen.

 

Da ich recht spät Mutter wurde und bei der Einstellung (noch in den 90er Jahren) richtig Glück hatte, war ich zum Zeitpunkt der Geburt meiner Tochter ein alter Hase im Betrieb mit unbefristetem Vertrag, leitender Position und den schönen Rechten des öffentlichen Dienstes.

Sorglos beantragte ich 2 Jahre Elternzeit, weil es mir erstens wichtig war mich in der Anfangszeit intensiv um mein Kind kümmern zu können, wir in der Zeit ein Haus umbauen wollten und es zu der Zeit sowieso noch keine Kinderbetreuung für Kinder U3 in unserem Städtle gab. Ein finanzielles Polster für die Zeit hatte ich mir zuvor angespart.

Gesegnet mit einem Schreikind mit massiven Schlafproblemen und daraus folgender persönlicher Erschöpfung verlängerte ich die Elternzeit um ein Jahr. Das war problemlos möglich.

Rechtzeitig zur Rückkehr an meinen Arbeitsplatz meldete ich mich beim Institutsleiter. Mehrfach wurden Bitten um einen Termin für ein Rückkehrgespräch ignoriert oder Termine verschoben. Schliesslich schickte ich einen Antrag auf Teilzeit (60%) an die Chefs und die Verwaltung per Einschreiben um die Frist einzuhalten. Gleichzeitig informierte ich die Gleichstellungsbeauftragte.

Bereits vor dem, endlich kurz vor Arbeitsbeginn vereinbarten, Gesprächstermin, wurde mir gesagt, dass es meine Stelle nicht mehr gäbe, man mich nicht brauchen könne und meine Vorstellungen gänzlich unpassend wären.

Man äusserte sich auch beleidigt, weil ich sie mit dem Einschreiben unter Druck gesetzt hätte….

Beim Termin selbst musste die Gleichstellungsbeauftragte diverse Male an meine Rechte und die Pflichten meines Chefs erinnern. Es wurde vom stellvertretenden Institutsleiter so dargestellt, dass das Institut mich auf keinen Fall mehr brauchen kann und mir gnädigerweise eine Stelle auf niedrigerem Niveau oder eine Andere mit höchster zeitlicher Flexibilität anbieten würde.

Ich konnte nur antworten, dass sie mich dann im „Pool“ anmelden müssten, ich müsse mich auf meine alte Stelle zurückmelden.

Schlussendlich musste meinem Antrag zugestimmt werden. Kurz vor der Rückkehr erfuhr ich dann in welche Arbeitsgruppe ich versetzt wurde. Glücklicherweise war der AG-Leiter sehr angenehm und die Zusammenarbeit in der kleinen Gruppe die von meiner beruflichen Erfahrung sehr profitierte richtig gut. Allerdings verlor ich meinen Büroplatz und sollte, weil ich ja „so gut wie gar nicht“ auf Arbeit wäre (23,1 Wochenstunden) auch sämtliche Seminare nicht mehr besuchen. Also durchaus eine Herabstufung.

Leider wurde der AG-Leiter nach wenigen Monaten selbst so sehr gemobbt, dass die Gruppe nach seiner Kündigung aufgelöst wurde.

Man versuchte mich wieder in eine Stelle mit komplett anderer Aufgabenstellung und niedrigerer Qualifizierung zu drängen. 3 Monate musste ich als Vertretung (man hatte eine ausscheidende Kollegin nicht rechtzeitig ersetzt) in einer AG arbeiten die gänzlich andere Arbeiten durchführte als jene welche ich seit mittlerweile mehr als 15 Jahren tat . Im Eilverfahren wurde ich akkreditiert für Unmengen neuer Methoden. Man versuchte auch meine Stelle aufzuteilen, so dass ich in zwei unterschiedliche Arbeitsgruppen arbeiten sollte mit jeweils sehr unterschiedlichem Tätigkeitsprofil.

Ich blieb standhaft, widersprach sachlich und begründet und wurde schliesslich, als doch eine Kollegin (in Vollzeit, was auch nötig war) eingestellt wurde, wieder in eine Arbeitsgruppe geschickt die in etwa das macht, was ich vor der Elternzeit auch machte. Allerdings wieder die AG welche am wenigsten Geld zugesprochen bekam, die schlechtesten Räume und die mieseste Organisation hatte. Ziemlich gleichzeitig wurden zwei neue unerfahrene Kolleginnen in einer anderen, besser ausgestatteten Gruppe frisch eingestellt (befristet versteht sich).

Eineinhalb Jahre nach der Rückkehr aus der Elternzeit musste ich einen neuen Antrag auf befristete Teilzeit stellen (jeweils ein halbes Jahr vor Auslaufen der bestehenden Befristung).

Mitlerweile Alleinerziehend und im Rosenkrieg befindlich wollte ich nur ein weiteres Jahr mit den bestehenden Konditionen weitermachen um dann zu sehen wie es weiter gehen kann mit Schule etc.

Natürlich wurde das nicht einfach durchgewunken. Ein Gespräch mit dem bereits bekannten stellvertretenden Institutsleiter (mitlerweile selbst ein Mitglied im Gleichstellungskomitee, damit „die Männer nicht vernachlässigt werden“) verlief ähnlich dem 2 Jahre davor. Meine private Situation sei mein Problem, das Institut könne nicht auf jeden Wunsch von Angestellten eingehen. Das Institut braucht Flexibilität! Das Institut braucht tägliche Anwesenheit!

Bis dahin hatte ich an 3 Tagen pro Woche gearbeitet. Ursprünglich weil mein Mann an 2 dieser Tage Home Office hatte, dann weil ich so notdürftig auf meine Stunden kommen konnte und trotzden noch meinen Job als Mutter einigermassen hin kriegen. Zu den 23,1 Stunden die ich Arbeite kommen ja noch 1,5 Stunden Anwesenheit zu Pausenzeiten und durchschnittlich 9 Stunden Fahrzeit für die 60km Anfahrt dazu.

Arbeit an allen Tagen hätte die Fahrzeit auf 15 Stunden erhöht für 23,1 Stunden bezahlte Arbeit.

Ausgesehen hätte das so:

Kurz nach 7 Uhr aus dem Haus, Kind in Kita gefahren (4km), weiter zur Arbeit, ca 9 Uhr Arbeitsbeginn, 6 Stunden Arbeit bis 15 Uhr, Heimfahrt 1,5 Stunden und somit pünktlich zum Kita-Schluss um 16:30Uhr Kind einsammeln, heim fahren…. und dann Essen.

Bzw an jedem Tag ein bissle weniger, damit ich Freitag auch noch kurz kommen kann während der 6 Stunden Kita-Betreuung (max 3 Stunden effektiv).

Mein Ex-Mann fand natürlich dass das geht, bzw liess mir über den Anwalt mitteilen dass es keinen Grund gebe warum ich nicht Vollzeit arbeiten gehen könne. (Falls es jemand nicht weiss: Da das Kind älter als 3 Jahre ist gibt es für die Ex-Frau in D keinen Unterhalt mehr aus eben diesem Grund).

Bereits überlastet mit Arbeit, Pendelei, Haushalt, Kind (schlief noch immer nicht durch) und die vom Mann hinterlassene Baustelle mit Entrümpelungsbedarf) habe ich eine Änderung der Arbeitszeit abgelehnt, auch mit Vermerk auf meine Behinderung.

Notgedrungen wurde akzeptiert, jedoch hat sich der stellvertretende Institutsleiter nicht nehmen lassen auf dem Vertrag unter seiner Unterschrift hinzuzufügen dass das Institut bei der nächsten Verlängerung auf Anwesenheit an 5 Tagen, mindestens aber an 4 Tagen bestünde.

Das Leben ist teuer, die Rente schmal, wenn ich im Juli wieder für die nächsten Jahre die Teilzeit beantrage werde ich meine Arbeitszeit auf 75% Aufstocken müssen. Eigentlich ist das nicht machbar ( das sind dann 29 Stunden plus 2 Stunden Pausen plus 12 Stunden Fahrt, wenn ich es auf vier Tage verteile und die Baustelle ist – oh Wunder- noch lange nicht fertig und der Garten nicht geschrumpft), aber irgendwie muss es gehen.

Eigentlich schon ein grosser Kompromiss von meiner Seite: Immernoch 25% zu wenig Gehalt, aber auch noch 15% weniger Zeit für das Kind, den Haushalt und das ganze unbezahlte Tätigkeitsprofil einer alleinerziehenden Mutter und Familienoberhauptes.

Meine Vorgesetzten wird das wieder nicht interessieren (beide haben nicht arbeitende Frauen Zuhause bei ihren Kindern sitzen und können aufgrund ihrer Eingruppierung viele Arbeiten outsourcen die ich selbst tun muss (Putzen, Auto reparieren, Gartenpflege, Handwerkertätigkeiten…) und sie finden ganz sicher wieder einen Grund warum genau das was ich ich will nicht geht.

 

Wenn jetzt jemand denkt das ist schon ganz schön blöd wie das läuft, dem muss ich leider sagen: Ich bin in einer unglaublich günstigen Situation als Angestellte im ö.D. mit unbefristetem Vertrag. Kolleginnen die später eingestellt wurden haben nur befristete Verträge. Die sind dann einfach weg. Wenn sie wieder kommen, dann meist zwangsweise Vollzeit.

Mein Arbeitgeber (der bei dem ich den Vertrag habe) bietet auch eine Kita an (überfüllt und ich will mein Kind nicht täglich 3 Stunden im Auto rumkutschieren), Ferienprogramme (auf die werde ich bald hoffentlich zurückgreifen können) und es gibt eine Gleichstellungsbeauftragte die uns Frauen über unsere Rechte aufklärt (wenn sie auch stets die Frauen auffordert ob nicht doch noch etwas mehr entgegenkommen möglich sei…).

Ich sitze also in meinem „goldenen Käfig“, höre mir regelmässig an dass ich nur Ballast und Unkosten für das Institut sei (obwohl sich noch nie jemand über meine Arbeit beschweren konnte – im Gegenteil, sie kommen dann doch immer an wenns hakelig wird) und arbeite fleissig daran das alles an mir abprallen zu lassen und mich nicht runter ziehen zu lassen vom Job.

Ich mache meine Arbeit gut und lebe mein Leben anderswo.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Vereinbarkeit

  1. Vielen Dank, dass du mitgemacht und deine Geschichte erzählt hast. Ganz schön krass, was wir Frauen uns anhören müssen. Und klar, ein Totschlagargument, dass du mit deiner Situation im goldenen Käfig sitzt…. schlimmer geht es ja bekanntlich immer. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Durchsetzungsvermögen. Liebe Grüße von Laura

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s